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Wir, von der
Pfarrgemeinde Verklärung Christi, aus Bad
Vilbel, im Herzen Deutschlands, fuhren vom
11. bis 17. Sept. 2011 extra zum Pilgern
nach Malta. Eine Reise, die mich bis heute
tief berührt …
Dunkelheit
empfängt uns, als wir an einem
Samstagabend maltesischen Boden betreten.
Mit dem Bus fahren in den Nordwesten
Maltas, nach Qawra.
Lauwarmer Wind – Sterne, die nur für mich
funkeln, schwarzes Meer... Was ich im
Schein der elektrischen Beleuchtung
erkenne, macht mich neugierig auf den
nächsten Tag …
Die Sonne lacht, der Himmel ist blau, das
Meer schimmert in Türkis. In Deutschland
war der Himmel grau - wir können unser
Glück kaum fassen. Am Ufer wartet ein
Boot, es bringt uns zur Paulusinsel,
unsere Reise beginnt.
Es geschieht 60 Jahre nach Christus.
Paulus wird im Zuge der Christenverfolgung
zum Tode verurteilt. Paulus ist römischer
Bürger. Zur Vollstreckung des Urteils wird
er nach Rom eingeschifft, zusammen mit dem
Evangelisten Lukas, der auch sein Sekretär
ist, und einigen Gefährten. Vor der Küste
einer Insel kommt Sturm auf. Das Schiff
droht zu zerbrechen. Die Besatzung will
die Gefangenen töten. Der Kapitän
entscheidet anders: Er gibt den Gefangenen
die Chance, die Küste schwimmend zu
erreichen. Es gelingt den Gefangenen,
lebend an Land zu kommen.
Die Bewohner empfangen die Schiffbrüchigen
freundlich. „Ihr seid auf unserer Insel
MALTA gestrandet“ erklären sie und zünden
für die Schiffbrüchigen ein Feuer zum
Aufwärmen an. (vgl.Apg)
Ich
sehe die Paulusinsel mit der Statue des
hl. Paulus vom Ufer aus. Wir schippern
hinüber - genießen die Sonne – der Regen
zu Hause ist Geschichte – was sind wir
doch für Glückspilze …
Ich stehe vor der Statue des hl. Paulus
und versuche mir vorzustellen, wie er nach
dem Schiffbruch hier strandet, völlig
entkräftet, dem Tode nahe … Der Gedanke
fällt mir nicht leicht, zu schön ist alles
rings um mich. - Langsam stelle ich mich
auf Paulus ein – bewege mich auf ihn zu -
finde seine Spuren.
Das Boot bringt uns zurück. Es ist Zeit
für die tägliche Messe. Wir feiern sie in
der Kirche von Mellieha. Hier befindet
sich ein Fresko der Madonna mit dem
Jesuskind, das der Evangelist Lukas
angefertigt haben soll.
Unsere erste Messe auf Malta: Die Kirche
gehört uns ganz allein. Lesungen und
Fürbitten legt Pater Cheriyan in viele
Hände, zum Vater-unser-Gebet lädt er in
den Altarraum ein. Wir sind eine große
Familie.
Erschöpft wärmt Paulus sich am Feuer auf
und wirft Reisig hinein. Da fährt eine
Viper aus dem Feuer und beißt ihn in die
Hand. Die Bewohner Maltas sind entsetzt
und sicher: Das ist ein Gottesgericht.
Paulus muss ein Verbrecher sein. Dem Tod
durch Ertrinken ist er entronnen. Doch die
gerechte Strafe wird nun durch die
Schlange vollstreckt. Aber Paulus
schleudert das Tier ins Feuer zurück.
Seine Hand schwillt nicht an, er fällt
nicht vergiftet tot um. Jetzt sind die
Bewohner Maltas überzeugt, einen Gott vor
sich zu haben. (vgl.Apg)
Viele
Bewohner Maltas sind Fischer. Das
malerischste Fischerdorf ist Marsaxlokk:
Türkisblaue Fischerboote im türkisblauen
Meer, darüber strahlender Himmel, am Ufer
Verkaufsbuden mit dem üblichen
Touristenangebot. Alles ist überschaubar,
niemand nötigt mir seine Waren auf. Ich
genieße die entspannte Atmosphäre und esse
das beste Eis meines Lebens.
In Marsaxlokk feiern wir die hl. Messe –
den spirituellen Höhepunkt des Tages - .
Die
Tempelanlage von Tarxien durchschreite ich
andachtsvoll: Ca. 5000 Jahre altes
mächtiges Gemäuer. Hier haben Menschen ihr
hohes spirituelles Niveau zum Lob ihrer
Gottheit in Stein umgesetzt. Während der
Bootsfahrt durch die Blaue Grotte kommen
mir die Irrfahrten des Odysseus in den
Sinn. In mir wächst die Lust, in der
spannenden griechischen Mythologie zu
stöbern.
Wieder in unserem komfortablen
Hotel-Resort gehe ich sofort an den Strand
zum schwimmen – dort treffe ich die
Sportlichen aus unserer Pilgerschar - das
Meer ist weich wie Samt und angenehm warm
…
Paulus
verbringt drei Monate auf Malta. Er nutzt
die Zeit zum Predigen. Er ist Gast des
Publius, des höchsten Repräsentanten auf
Malta. Der Vater des Publius liegt
schwerkrank im Bett. Paulus legt ihm die
Hände auf – und er ist geheilt. (vgl. Apg)
Wir besuchen Mdina, die stille Stadt.
Dicke Mauern umschließen diese imposante
ehemalige Hauptstadt auf dem Berg. In der
Nachbarschaft liegt Rabat. Wir feiern in
der St.-Paul‘s-Kirche die hl. Messe. Unter
der St.-Paul‘s-Kirche liegt die
Paulusgrotte. Hier war Paulus während
seiner dreimonatigen Gefangenschaft
inhaftiert. In dieser Grotte feierte
Paulus die hl. Messe und teilte zum 1. Mal
die Sakramente aus. Gegenwärtiger kann der
Geist des Paulus nicht sein. Auch Papst
Benedikt XVI. feierte in dieser Grotte
eine hl. Messe.
Paulus, selber Jude, wächst in
Griechenland auf. Sein Geist ist offen.
Die ersten Christen sind alle Juden und
beschnitten. Für sie ist
selbstverständlich: nur ein Beschnittener
kann Christ sein, das heißt, er muss
vorher Jude werden. Paulus ist anderer
Meinung. Der Glaube ist im Herzen, das
genügt. Also kann jeder Andersgläubige
auch Christ werden, wenn er nur glaubt. Es
ist nicht nötig, sich vorher beschneiden
zu lassen. Auf dem 1. Konzil in Jerusalem
wird diese Auffassung bestätigt.
Paulus geht es um echte Spiritualität. Er
respektiert die tiefe Religiosität von
Menschen anderen Glaubens. Bevor er als
Gefangener nach Malta kam, sah er in
Griechenland jede Menge Tempel für
verschiedenste Götter. Einer dieser Tempel
war einem unbekannten Gott geweiht. Paulus
predigte der Bevölkerung: „Das ist der
Tempel von Jesus.“ (vgl. Apg)
Natürlich besuchen wir Gozo, die kleine
Schwester Maltas. Hier steht der
Ggantija-Tempel, älter als die ägyptischen
Pyramiden. Riesenquader sind aufeinander
geschichtet. Staunend gehe ich durch die
Tempelanlagen, voller Respekt vor den
Erbauern, die keine Mühe gescheut haben,
um ihrer Gottheit Ehre zu erweisen.
Die Messe feiern wir auf Gozo in der
Wallfahrtskirche Ta’Pinu. Sie ist der
Mutter Gottes geweiht. Vor ihrem
Gnadenbild kniete auch Papst Johannes Paul
II.
Für
mich spendet dieses Gnadenbild eine ganz
eigene Energie. Ich kann nur versuchen, es
zu erklären: Zum Vater-unser-Gebet
versammelten wir uns im Altarraum. Wir
reichten uns die Hände zum Friedensgruß
und kamen in eine ungewöhnlich fröhliche
Stimmung … Immerhin befanden wir uns noch
im Altarraum, und der Priester zelebrierte
die Messe. Bis heute denke ich immer noch
verwundert darüber nach.
In Valetta, der Hauptstadt Maltas: Es ist
die Stadt der Kreuzritter. Der Orden
kümmerte sich zur Zeit der Kreuzzüge um
die Verwundeten und Kranken. Die
Kreuzritter gründeten im 16. Jhdt. auf
Malta einen eigenen Staat. Sie errichteten
beeindruckende Festungen, unterhalten noch
heute erstklassige Krankenhäuser, erbauten
prachtvolle Kirchen. Eine davon ist die
St. John‘s-Co-Kathedrale. Auch Papst
Benedikt XVI. besuchte sie.
Wir feiern die Messe in einer anderen
Kirche, der St.-Pauls-Kirche von Valetta.
Sie beherbergt die Hand des Paulus und
einen Teil der Säule, auf der Paulus
geköpft worden ist. Beides ist aus Rom
dorthin gekommen.
Reliquien – in mir steigt etwas
Beklemmendes hoch. Doch was ich sehe,
schafft auch eine große Nähe zu Paulus.
Ich nehme den Geist des Paulus auf mit
allen meinen Sinnen. Sieben Tage unterwegs
auf den Spuren des Apostels Paulus, haben
mich wohl spirituell weich werden lassen
...
Malta ist der ideale Ort für eine
Pilgerreise, wohin ja auch Papst Johannes
Paul und Papst Benedikt XVI. bereits
gepilgert sind. Auf Malta sind nahezu alle
katholisch, es gibt über 365 Kirchen. Für
jeden Tag eine!
Unsere Reise war bestimmt von einer
heiteren Spiritualität. Sie war ein
Geschenk, eingepackt in blaues Meer und
verziert mit strahlendem Sonnenschein.
Nachtrag:
Diese Pilgerreise war nicht die erste
ihrer Art. Wir sind in Assisi, Rom und
Santiago de Compostela gewesen. Unsere
Reisen haben ihren ganz eigenen Charakter:
Wir führen Sie unter einem ganz bestimmen
Motto durch und stellen sie nach unseren
Wünschen mit Hilfe eines Reisebüros
zusammen. Eine Reiseleitung, die deutsch
spricht, begleitet uns die ganze Reise
über vor Ort. Täglich feiern wir hl. Messe,
als spirituellen Höhepunkt. Unser
Besichtigungsprogramm ist wohl durchdacht.
Wir genießen den Wein und die Küche der
Region. Für ein gutes Gespräch ist immer
Zeit.
Zu Hause schließen wir mit einem
speziellen Dank im Gottesdienst und dem
beliebten Nachtreffen unsere Reisen ab.
Gäste sind bei unseren Reisen herzlich
willkommen.
Wer mit uns reisen möchte, wende sich
bitte an: johanna.pader@googlemail.com
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