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„Unser täglich’ Brot gib uns
heute“

Das Korn ist nun
gesäet, der Erde einverleibt.
Bevor der Landmann
gehet, er in die Erde schreibt
Das hl. Hostienzeichen
als Dank und Bittgebet.
Das Saatkorn lustig
keimet, fest in der Erd’ es steht,
Mit rotem
Nasenspitzlein es bald nach oben späht.
Wie wunderlich auf
Erden wohl auch das Schicksal webt?
Bald färbt sich
grün das Hälmchen und grüner wird die Saat,
Ach ringsrum die Natur
jetzt schon buntre Farben hat–

Der Herbstwind weht
schon rauer – sie rüstet sich zur Ruh’,
Bald fallen weiche
Flocken und decken sie sanft zu.
Wie kalt auch ist der
Winter, die Saat bleibt zugedeckt,
Bis hold die
Frühlingssonne zu neuem Leben weckt.

Bald zieren
Osterkreuzlein, geweiht nach altem Brauch,
Die üppig grüne
Saat schon, sie wächst, bald reifet auch
Und wogt in guten
Jahren, vom Unwetter verschont,
Das weite Ährenfeld;
nun - die Probe sich schon lohnt:
Das Körnchen
bereits knackt, die Ernte kann beginnen
Gekostet hat’s
viel Schweiß, doch ist sie endlich drinnen
Der Garben letzte
Fuhr’, im Wams der großen Scheuer,
Gott möge uns
bewahr’n, vor Unglück und vor Feuer!

Nun wird behend
gedroschen, gesondert von der Spreu,
Das Saatkorn wieder
extra, das Brotkorn rein auch sei!
Gefüllt sind prall
die Säcke im Wagen vor dem Tor,
Das Pferd, noch jung
und mutig, schon spannt man es davor.
Drei Kreuzlein noch
gezeichnet vor’m Wagen zum Geleit,
Daß Roß und
Mann und Ladung vor Unglück sei gefeit!
Und schon nach ein paar
Tagen das Brotmehl ist bereit,
Wird aus der Mühl’
gefahren, nach Haus zur rechtren Zeit.

Kannst gleich herein
was bringen, die Bäuerin es spricht,
Stell’s auf die
Ofenbank hin, der Sauer ist gericht.
Mit Wasser, Mehl und
Sauer sie schwachen Teig anmacht,
Warm zugedeckt im
Kübel, kann gehen über Nacht.
Ist’s in der Höh’
gesauert und fällt hinab nun schwer,
Drein wird das Mehl
gesiebet in Rhythmus hin und her.
Nun wird rundum
gegangen, das Kentscheit in der Hand
Der Teig wird
durchgeknetet bis an des Kübels Rand.
Drei Kreuzlein
dreingeschitten, der Teig kann wieder ruh’n.
Im Ofen prasselt’s
Feuer, drauß gib’sjetzt viel zu tun.

Die Kohlen schön
zerteilend, die Bäuerin sich schickt,
Bis weiß die
Bogenwände und Stirnwand sie erblickt.
Nun walkt am Tisch den
Laib sie und in die Form ihn drückt,
Ein Heer von sechszehn
Broten die weite Diele schmückt.
Die Kohlen rasch
verglimmen, nun wird gekratzt, gefegt,
„Brot raus!“
Mit langer Schosse wird es rasch eingelegt.
Da gehen flink und
helfend die Kinder hin und her,
Bis jedes Brot auf der
Schosse, die letzte Form ist leer.
Und jedes ward
bestrichen mit lauem Wasser fein,
Daß glänzend
braun die Rinde und Gleichmaß wird und rein.
Im Ofen wohl verwahret
das Brot schön backet aus
Und schon nach fast
zwei Stunden schiebt man das Brot heraus.
Das erste wird
beklopfet, es klingt der richtige Ton,
Gut ist das Brot
gelungen, das ist der Mühe Lohn!
Bevor das Brot
aufschneidest, das Kreuz gezeichnet sei,
Der Herr hat’s
auch gesegnet, bevor er’s brach entzwei!

Laß nie das Brot
verkommen, jed’s Bröckchen hebe auf.
Laß nie den
Leichtsinn walten, er zieht nur Unglück auf.
Und wie das Brot sich
rundet, das Jahr schließt sich im Kreis,
So gehst auch Du zurück
einst von Deiner Erdenreis’.
In Frohsinn und im
Leiden, dass du stets Gott gedenkst,
Bis du aus Priester’s
Händen das letzte Brot empfängst.

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