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Die Kindheitserinnerungen fließen sanft in mir
wie kleine Wolken am Himmel. Nun beschäftige
ich mich mit einem Wölkchen, mit frohen,
unvergesslichen Ostern. Schon im März, wenn
die ersten Frühblüher, die Schneeglöckchen
aus der Erde spitzen, kam in unseren
Familien Frühlings- ja, Osterstimmung auf.
In den zwanziger-dreißiger Jahren des
vergangenen Jahrhunderts lebte ich mit
meinen Eltern in einem
Sechsfamilien-Wohnhaus.
Jede Familie hatte
einen großen Garten mit vielen Blumen,
Bäumen und Sträuchern, was für uns Kinder
ein Paradies bedeutete. Im anschließenden
Birkenwald durften wir nach Herzenslust
spielen. Wald und Gärten waren in der
Osterzeit besonders reizvoll. Die
immer kräftiger werdenden Sonnenstrahlen
lockten zum Spielen ins Freie. Wir Kinder
konnten diese Zeit so richtig genießen. Dazu
bekam ich nahezu jedes Jahr einen schönen
neuen Ball mit leuchtenden Farben. Der flog
von Hand zu Hand, manchmal auch auf einen
Baum, in einen Strauch oder auch auf einen
Kopf.
Immer mehr bunte Blumen kamen zum
Vorschein, neues Leben zeigte sich in der
Natur. „Ja, Ostern steht doch vor der Tür“,
sagten die Erwachsenen, „das Fest der
Auferstehung und des neuen Lebens. Frohen
wir uns darauf“! Für uns Kinder kam der
Osterhase, natürlich mit Freude erwartet.
Wenn der Hasenvater die lila, roten, gelben,
weißen und blauen Blumen sieht, macht er
die ganze Familie ostermunter.
Alte
und jung, große und kleine Osterhasen
richten Farbtöpfe, Pinsel und Körbe her,
dass sich an Ostern die Kinder an schönen
bunten Eiern erfreuen können. Woher der
Osterhase die schönen bunten Eier hat,
interessierte mich nicht. Erst in der Schule
erfuhr ich von gescheiteren
Schulkameradinnen, dass der Osterhase die
Eier bei der Henne holt. Aufgeregt und
voller Spannung eilte ich heim mit der
drängenden Frage: bekommt der Osterhase die
Eier geschenkt, muss er sie bezahlen oder
stiehlt er sie sogar.
Die
beruhigende Antwort von Mama lautete:
„Natürlich bekommt er die Eier von der Henne
geschenkt und auch die Süßigkeiten gibt ihm
der Kaufmann.“ Mein Wissen war erweitert,
der Osterhase selbst legt keine Eier- meine
Überzeugung blieb aber fest, dass der
Osterhase in der Nacht von Karsamstag zum
Ostersonntag das Osternest füllt. So
richteten wir jedes Jahr am Karsamstag die
Osternester her, schön weich gepolstert mit
Ostergras. Als Dank für den Osterhasen lag
in jedem Nest eine Gelberübe, die mag er
doch gerne. Die Haustüre durfte in dieser
Nacht nicht fest versperrt werden, dass der
Osterhase ganz leise und leicht in die
Wohnung kommt.
Welch
ein Hallo! Am Ostersonntag, wenn wir alle
unsere Nester mit guten bunten, süßen
Sachen, gefunden haben. Manchmal war das
Nest auch schon schwer versteckt hinter dem
Vorhang, unter dem Bett, in Ofen und so
weiter. Wenn alle ihr Nest gefunden hatten
wünschten wir alle Frohe Ostern, dann gingen
wir zur Kirche.
Am Nachmittag auf dem Osterspaziergang
fanden wir Kinder auch noch vereinzelt Eier
auf der Wiese, in einem Acker oder unter
einem Baum, von den Eltern rasch und
unbemerkt higelegt.
Die Freude am Entdecken
eines knallbunten Ostereies gab ich später
an meine Erstklässer, die mir als
Schulkinder anvertraut waren, weiter. Auch
das „Gelberüben- geschenkt“ habe ich
empfohlen und es wurde treu und überzeugt
von den Kindern angenommen. Meine Gemüsefrau
bedankte sich bei mir für das gute Geschäft.
Na ja, wenn da vierzig oder fünfzig
Erstklässer- so stark waren die Klassen
damals, Ende der vierziger, anfangs der
fünfziger Jahre, einkaufen, bringt das schon
auch etwas.
An einige Jahre erinnere ich mich besonders
gerne. Wir bauten eine Osterhasenstadt im
Sandkasten auf. Eltern und Großeltern haben
begeistert Eier ausgeblasen, bemalt und
manche Anregung mitgebracht. Erinnerungen,
die mich alljährlich in der Osterzeit
begleiten. |