Jedes
Jahr wird in vielen Dörfern und Städten in
Deutschland ein Fest gefeiert, das als
Schützenfest bekannt ist. In großen bunten
Paraden marschieren viele tausend Menschen
über das Jahr verteilt durch ihre Wohnorte
um das Heimatfest zu begehen.
Diese
Feste gehen bis auf das frühe Mittelalter
zurück und erinnern daran wie sich die
ersten Bürger bewaffnet haben, um sich gegen
die Übergriffe des Adels zu schützen. Später
entstanden daraus die Bürgerwehren, die sich
nachdem sie entwaffnet wurden, ihre
Traditionen beibehalten haben.
Aber
auch heute noch ist das Schützenwesen sehr
gefragt. Das Schützenwesen tritt für den
Glauben, die Sitten und die Heimat ein und
ist deshalb ein Anlaufpunkt für Jung und
Alt. Bei den Festen feiern sie miteinander
und so werden die Traditionen auch auf die
folgenden Generationen übertragen.

Da
das Schützenwesen aus militärischen Kreisen
hervorgegangen ist, ist auch sein Aufbau
streng militärisch. Die meisten Dörfer
besitzen ein Schützenregiment oder aber auch
manchmal eine Bruderschaft, in der alle
Schützen zusammengefasst sind. In dem
Schützenregiment selber existieren noch
viele weitere Unterteilungen.
Bei
uns in Wevelinghoven ist das Regiment noch
aufgeteilt in verschiedene Korps:
Scheibenschützenkorp, Jägerkorp und
Grenadierkorp. Hierbei besitzt jedes Korp
sein eigenes Wappen und seine eigenen
Uniformen. Ein Korp wiederum ist in Züge
aufgeteilt, die die kleinsten Einheiten
darstellen.
Meistens
treffen sich einige Freunde und beschließen
einen Zug zu gründen und welchem Korp sie
sich anschließen wollen. Wie in jedem
Regiment gibt es auch einen Major, der das
Regiment führt und der dabei unterstützt
wird von den Korp- und Zugführern.
Einmal
im Jahr wetteifern die Schützen darum, wer
von ihnen der Schützenkönig werden soll. Bei
diesem Wettkampf wird mit einem Gewehr auf
einen Holzvogel geschossen und das Ziel ist
es diesen von seiner Schraube runter
zuschießen. Aber nicht nur im Regiment wird
nach einem König gesucht. Jedes Korp und
jeder Zug stellt seinen eigenen König, der
sein Korp bzw. seinen Zug vertritt.

Bei uns in
Wevelinghoven beginnt das Schützenfest
samstags abends mit einem Fackelzug. Bei
diesem Umzug ziehen die Schützen mit Fackeln
und Festwagen, die an die Karnevalwagen
erinnern, durch das Dorf. Anschließend
treffen wir uns alle in einem Festzelt, um
gemeinsam den Abend ausklingen zu lassen und
auf das Schützenfest anzustoßen.

Der Sonntag
beginnt mit der Parade vor der
Geistlichkeit. Das Regiment trifft sich in
Uniformen vor dem Rathaus, wo es von seinem
Major begrüßt wird. Anschließend ziehen
(fast) alle zur katholischen Kirche um den
ökumenischen Gottesdienst zu feiern. Im
Anschluss an die Messe findet die Parade vor
der Geistlichkeit statt, in der die Schützen
an dem katholischen und evangelischen
Pfarrer vorbeiziehen. Durch Hutziehen und
Stechschritt wird dabei der Geistlichkeit
Respekt gezollt. Im Anschluss daran zieht
das Regiment zum Friedhof, um den gefallenen
Soldaten der Weltkriege, als auch den
verstorbenen Schützenmitgliedern zu
gedenken. Danach darf das Regiment
wegtreten.

Am
Nachmittag tritt das Regiment wieder
zusammen, um in einem großen bunten und
feierlichen Umzug, durch das Dorf zu
marschieren. Bevor es aber Losmarschiert
kommt es zu dem für mich schönsten Teil an
Schützenfest: zur Blumenhornparade. Dabei
zieht der Schützenkönig mit allen
Blumenhörner der Schützen im Gefolge an der
Schützenfront entlang. Jeder Zug grüßt dabei
den König mit seinem individuellen Gruß. Am
Abend trifft man sich dann wieder im
Festzelt um den Abend der Könige zu feiern.
In der alle Königspaare zusammen auf der
großen Tanzfläche tanzen.
Am
Montag findet nochmals eine Parade statt,
die allerdings nicht so feierlich gestaltet
ist wie die am Sonntag. Überhaupt ist der
Montag nur eine Überleitung zum Dienstag der
nach dem Sonntag der feierlichste Tag ist.
Am
Dienstag trifft sich das Regiment erst am
späten Nachmittag und holt dann den
zukünftigen König ab. Dieser wird dann in
einer feierlichen Zeremonie zum neuen König
für das nächste Schützenfest gekrönt. In
dieser Zeremonie wird der alte König
verabschiedet und der neue vorgestellt. Am
Ende der Zeremonie schickt jeder Zug seine
Offiziere zum neuen König um vor ihm zu
salutieren, sozusagen als Bestätigung der
Machtübernahme. Danach klingt der Abend
gemütlich aus und Regiment wird bis zu
nächsten Jahr entlassen.
Das
bedeutet allerdings nicht, dass sich während
des Jahres nichts passiert. Die Schützen
engagieren sich in vielen Bereichen. Sie
setzen sich für die Verschönerung unseres
Dorfes, für die Förderung der Jugend, für
die Kirche und vieles mehr ein. In unserem
Dorf ist das Schützenwesen eine wichtige
Säule, auf die sich viele stützen können.